EMV-Betrachtung

EMV-Betrachtung

Die zunehmende Integration elektrischer bzw. elektronischer Systeme in geschäftskritische Prozesse von Unternehmen und die Funktionalität einerseits sowie der Einsatz immer empfindlicherer und vernetzter Systeme in Gebäuden erfordert heute eine fundierte Betrachtung der EMV (Elektromagnetische Verträglichkeit) bereits im frühen Projektstadium. Dies gilt umso mehr, als dass die in der HOAI und DIN 276 definierten Leistungsbilder und Kenntnisanforderungen für Fachplaner diese Aufgabe nicht abbilden. Insofern ist davon auszugehen, dass die elektromagnetische Verträglichkeit von Fachplanern nicht automatisch berücksichtigt oder mitgeplant wird. Die Sicherstellung der EMV ist daher eine Planungsaufgabe für Spezialisten, die fundierte Kenntnis über potentielle Störquellen sowie über die erforderlichen und realisierbaren Schutzmaßnahmen besitzen. Zur Sicherstellung der elektromagnetisch verträglichen Funktion elektrischer Betriebsmittel und zur Vermeidung von Störungen dient die EMV-Betrachtung sowie eine entsprechende EMV-gerechte Auslegung von Anlagen oder Geräten. Unterschieden werden:

  • Maßnahmen zur Störungsvermeidung
  • Vermeidung der Ausbreitung von der Quelle
  • Vermeidung von Auswirkungen der Störungen

Als elektromagnetische Verträglichkeit ist die Fähigkeit eines Gerätes, Systems oder einer ortsfesten Anlage definiert, in seiner elektromagnetischen Umgebung störungsfrei zu arbeiten und dabei keine anderen Systeme zu beeinträchtigen. Moderne Büro- und Industriegebäude sowie Rechenzentren, Schalt- oder Leitwarten sind heute schon mit zahlreichen leistungsfähigen, vernetzten Versorgungs-, IT-, Mess-, Steuerungs- und Regeltechniksysteme versehen, deren störungsfreie Funktion einen dauerhaft sicheren und wertschöpfenden Betrieb sicherstellt. Mit fortschreitender Elektromobilität sind zudem innovative Systeme in die Gebäude zu integrieren, die eine weitergehende Betrachtung unter EMV-Aspekten erforderlich machen. Die zunehmende Bedeutung der genannten Anlagen in kritische Geschäftsprozesse steigert die Abhängigkeit der Unternehmen von deren technisch einwandfreier Funktion. Beeinträchtigungen führen häufig zu weitaus höheren Vermögens- im Vergleich zu den Sachschäden. Ein Betrieb mehrerer Systeme ohne gegenseitige elektromagnetische Beeinflussung der Systeme sowie die Vermeidung von äußeren Störquellen ist nicht per se gegeben. Vielmehr ist dieser Gesichtspunkt möglichst frühzeitig bereits in der Planung zu berücksichtigen.

Durch eine (physikalische) Zerstörung von Komponenten bedingte Ausfälle sowie nicht-zerstörerische Beeinträchtigungen der Funktion können hohe Kosten zur Folge haben, die bisweilen sogar unternehmensgefährdende Höhe annehmen, zum Beispiel bei Banken, Handels-, Dienstleistungs- oder Fertigungsunternehmen. Die betreffenden Risiken sind meist nur begrenzt oder gar nicht versicherbar. In den letzten Jahren nahm zudem die Abhängigkeit stark zu, tolerierbare Ausfallzeiten werden immer kürzer. Eine fachgerechte EMV-Betrachtung zählt damit zu den Unternehmensfortbestand sichernden Maßnahmen.

Viele Schäden oder Funktionsbeeinträchtigungen lassen sich nicht direkt auf eine einzige klar erkennbare Ursache zurückführen. Häufig addieren sich kleinere Schäden, die zunächst unentdeckt bleiben. Die Ursachen von Ausfällen elektronischer Systeme in Gebäuden sind ausgesprochen vielfältig. Wurden einst die elektrische Energieversorgung und das Potentialausgleichssystem nur hinsichtlich des Personenschutzes hin optimiert, so müssen heute auch die Anforderungen schneller, komplexer Datennetze berücksichtigt und mit einer EMV-tauglichen Auslegung gesichert werden. Genauere technische Details sind in der VDI-Richtlinie „Schutz der technischen Gebäudeausrüstung – Blitze und Überspannungen“, VDI 6004 oder als DIN EN 62305-4 (VDE 0185-305-4) „Blitzschutz – Teil 4: Elektrische und elektronische Systeme in baulichen Anlagen“ spezifiziert.

Technisch muss bei einer EMV-Betrachtung bzw. einer EMV-Prüfung die EMV-Richtlinie der europäischen Union (2004/108/EG) vom 15. Dezember 2004 berücksichtigt werden, die die Einhaltung minimaler Störfestigkeitsanforderungen und Störaussendungen vorschreibt. Hierbei sind Vorgaben bezüglich der Behandlung ortsfester Anlagen und der Dokumentation der Schutzmaßnahmen definiert. In wenig komplexen Situationen ist damit ein sicherer Betrieb der Anlagen unter Normalbedingungen, d.h. in der normativ vorgesehenen Umgebung sichergestellt. Festgelegt ist auch, dass im Störungs- oder Fehlerfall die Verantwortung beim Anlagenbetreiber liegt.

Bauherrenseitig ist meist nur wenig Erfahrung in der EMV-gerechten Konzeption von Gebäuden vorhanden. Eine fachgerechte EMV-Betrachtung durch Experten ist darum stets angezeigt. Bei einer Abnahme können dabei allerdings nur Aspekte überprüft werden, die zu Projektbeginn eindeutig gefordert wurden. Empfehlenswert ist es daher, schon frühzeitig eine entsprechende Beratung durch Experten einzuplanen. So können schon in der Planungsphase relevante Aspekte der EMV-Betrachtung integriert und die Anforderungen der aktuellen EMV-Richtlinie sowie der Gesetzgebung sicher erfüllt werden.

Wir sind Ihr Partner für den EMV-orientierten Gebäudeschutz. Gerne beantworten wir Ihre Fragen und beraten Sie hinsichtlich Ihres Anliegens. Entsprechende Informationen finden Sie im KontaktbereichKontaktbereich.