VDS-Prüfung

Die Prüfung elektrischer Anlagen erfolgt nach Klausel SK 3602 „Elektrische Anlagen“ der Zusatzbedingungen zu den Allgemeinen Feuerversicherungsbedingungen (AFB) und ist üblicherweise Bestandteil des Feuerversicherungsvertrags für gewerblich genutzte Gebäude. In der Regel schreibt die Vereinbarung im Versicherungsvertrag eine ordnungsgemäße Prüfung zwingend vor. Dabei wird davon ausgegangen, dass der Versicherungsnehmer sämtliche rechtlichen Verpflichtungen, vor allem die Durchführung erforderlicher Prüfungen, erfüllt. Gemäß den Vertragsbedingungen des Sachversicherers ist die Prüfung jährlich zu veranlassen. Die VDS-Prüfung darf nur von VdS-anerkannten Sachverständigen zum Prüfen elektrischer Anlagen durchgeführt werden, die mindestens ein Hochschulstudium der Elektrotechnik absolviert haben.

Mit der Prüfung der elektrischen Anlage ist zu gewährleisten, dass die besonderen versicherungsrechtlichen Anforderungen an den Sachschutz eingehalten werden. Die Prüfung elektrischer Anlagen nach Klausel SK 3602 entbindet den Versicherungsnehmer nicht von der Prüfpflicht aufgrund anderer Normen, technischer Regelwerke oder Gesetze, das heißt die VDS-Prüfung kann nicht durch andere Prüfungen ersetzt werden. Umgekehrt ersetzt die VDS-Prüfung nicht die Prüfungen elektrischer Anlagen und Betriebsmittel nach Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) oder nach der Unfallverhütungsvorschrift DGUV Vorschrift 3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“. Bei Prüfungen elektrischer Anlagen nach Klausel SK 3602 wird eine ordnungsgemäße Elektroprüfung nach Betriebssicherheitsverordnung bzw. DGUV Vorschrift 3 vorausgesetzt. Ob das der Fall ist, wird durch Einsichtnahme in entsprechende Bescheinigungen, in Wartungs- und Instandhaltungspläne oder in Prüfungsnachweise kontrolliert (Ordnungsprüfung).

Bei einer VDS-Prüfung muss prinzipiell nur der vom Versicherer definierte Versicherungsumfang geprüft werden. Sind keine anders lautenden Informationen vorhanden, ist der komplette Risikostandort zu prüfen. Die VDS-Prüfung umfasst Besichtigungen, Funktionsprüfungen und Messungen sowie Ordnungsprüfungen. Optional werden weitere Prüfungsdetails zu Bereichen oder Einrichtungen in separaten Beiblättern festgelegt. Sind Anlagenteile im Rahmen der Prüfung nicht zugänglich, muss zeitnah eine Nachbesichtigung erfolgen.

Bestandteil der VDS-Prüfung nach Klausel SK 3602 ist die Temperaturmessung mindestens mittels Infrarot-Thermometer (Pyrometer) oder einer Thermografiekamera, deren Spezifikation mindestens den Mindestanforderungen nach VdS 2228 entspricht. Unter anderem wird geprüft, ob Teile der elektrischen Kabel- und Leitungsanlage eine (Leiter-) Oberflächentemperatur von mehr als 70 °C nicht dauerhaft überschreiten. Auffällige Werte werden im Befundschein nach VdS 2229 dokumentiert. Bei der VDS-Prüfung nach Klausel SK 3602 werden zudem stichprobenartige Messungen nach VDE 0105-100 vorgenommen:

  • Isolationswiderstandsmessung
  • Messung der Durchgängigkeit des Schutzleiters sowie Schleifenwiderstandsmessung
  • Messung der Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCD)
  • Strommessungen (Schutzleiterstrom unter 0,3 A?)

Besichtigungen

Um eine Bewertung des Zustandes der elektrischen Anlage vornehmen zu können, sind alle relevanten Teile der elektrischen Anlage zu besichtigen. Dies gilt insbesondere für Trafostationen einschließlich Mittelspannungs-Schaltanlagen, Schaltanlagen und Verteiler sowie für zugängliche, sichtbare Teile der elektrischen Installation von Maschinen, sichtbare Kabel- und Leitungsanlagen. Zwischendecken, Kabelkanäle und Kabelschächte sind an geeigneter Stelle einer Sichtkontrolle zu unterziehen. Weiterhin müssen das Vorhandensein von Verschlüssen von Kabel- und Leitungsdurchbrüchen, die Beleuchtungsanlage sowie die Maßnahmen zu Erdung, Potentialausgleich und Überspannungsschutz, ortsveränderliche Betriebsmittel sowie ggf. vorhandene Photovoltaikanlagen besichtigt werden.

Ist eine äußere Blitzschutzanlage vorhanden, so ist zu kontrollieren, ob im Hauptverteiler ausreichend vorgesicherte Blitzstromableiter installiert wurden und ob deren Anschlussleitungen nach VDE 0100-534 ausreichend kurz sind. Letzteres gilt auch für die in sämtlichen Elektroverteilern installierten Überspannungs-Schutzeinrichtungen (Typ I bis III). Zu prüfen ist auch, ob vorhandene Sichtmelder eine defekte Überspannungs-Schutzeinrichtung anzeigen. Die Prüfung nach Klausel SK 3602 ersetzt nicht die Prüfung des inneren und äußeren Blitzschutzes nach DIN EN 62305-3 (VDE 0185-305-3), darauf muss der Betreiber hingewiesen werden.

Messungen

Bei einer VDS-Prüfung nach Klausel SK 3602 können eigene Messungen ggf. durch Messergebnisse gesetzlich bzw. behördlich vorgeschriebener Prüfungen, zum Beispiel nach DGUV Vorschrift 3 (ehemals BGV A3), ersetzt werden. Dies gilt für die Messung des Isolationswiderstands, Schleifenwiderstands, der Durchgängigkeit des Schutzleiters sowie der RCD-Funktion. Die vorhandenen Messergebnisse sind zu bewerten und stichprobenartig mittels Kontrollmessungen zu verifizieren. Etwaige Auffälligkeiten ziehen Nachmessungen nach sich. Sind keine Messprotokolle vorhanden, müssen eigene Messungen durchgeführt werden. Nicht normgerechte oder auffällig abweichende Messwerte sind im Befundschein zu dokumentieren. Bei Stichproben ist vor Ort eine repräsentative Auswahl zu treffen.

Funktionsprüfungen

Bei Funktionsprüfungen nach DIN VDE 0105-100/A1 entscheidet der Sachverständige in Absprache mit dem Betreiber, welche Einrichtungen zwingend zu prüfen sind. Funktionsprüfungen der Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen (RCD) erfolgen durch Drücken des Prüftasters. Der Prüfer muss den Betreiber darauf hinweisen, dass Funktionsprüfungen in regelmäßigen Abständen in Eigenregie vorzunehmen sind. Können diese Einrichtungen nicht geprüft werden, muss dies im Befundschein dokumentiert werden.

Ordnungsprüfungen

Wurden Prüfungen der ortsfesten elektrischen Anlage nach DGUV Vorschrift 3 (ehemals BGV A3) regelmäßig durchgeführt, ist dies vom Betreiber durch Vorlage von Prüfbüchern oder Protokollen nachzuweisen. Das Prüfungsresultat ist im Absatz „Ordnungsprüfungen gemäß VdS 2871“ des Befundscheines zu dokumentieren. An gleicher Stelle muss vermerkt werden, ob ortsveränderliche Betriebsmittel regelmäßig geprüft werden. Sind explosionsgefährdete Bereiche innerhalb der elektrischen Anlage vorhanden, muss der Nachweis erfolgen, dass regelmäßige Prüfungen nach BetrSichV durchgeführt wurden. Auch dieses Prüfungsergebnis muss vermerkt werden.

Dokumentation

Die Dokumentation der VDS-Prüfung erfolgt ausschließlich mit dem vollständig ausgefüllten Befundschein VdS 2229 in jeweils aktueller Fassung. Neben einer Aussage zum Gesamtzustand der Anlage kann der Sachverständige separate Erläuterungen hinzufügen. Im Mängelbericht sind sämtliche überprüfte Gebäude und Betriebsbereiche– auch mängelfreie – aufzuführen. Wurden Mängel vorgefunden wurden, sind diese kurz und eindeutig zu beschreiben. Zudem muss ein Vorschlag zur Mängelbehebung genannt werden.

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